Satzbezeichnungen: getragen, aber nicht zu langsam - fröhlich - feierlich
Dauer: 15 Minuten
Besetzung: 1 Flöte, 2 Oboen, 2 Fagotte 2 Hörner in F, Streicher 
Uraufführung: 11. März 2009, Wien - Musikverein, Brahms-Saal (Wiener Concert-Verein, Dirigent: Dirk Vermeulen)

Nach der „Erfindung“ der Symphonie in ihrer klassischen Form durch Joseph Haydn und seine Zeitgenossen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde diese Gattung rasch zu einer Königsdisziplin des Musikschaffens in aller Welt. Kaum ein Orchesterkonzert seit der Romantik, dass  nicht in seiner zweiten Hälfte ein solches Werk enthielt, und auch in unserer unmittelbaren Gegenwart entspricht es dem Gewohnheitsdenken von Veranstaltern wie Publikum an dieser Dramaturgie in der Regel festzuhalten. Mit dem Beginn der „Moderne“ waren die Komponisten freilich auch bemüht, neue „Spielregeln“ zur formalen Ausgestaltung zu finden: Einsätzige Symphonien folgten dem Muster sinfonischer Dichtungen, zwei-, drei- oder mehrsätzige Werke versuchten oft die übliche viersätzige Struktur von Sonatensatz an erster Stelle, nachfolgendem langsamen Satz, Scherzo und einem abschließenden meist ebenfalls schnelleren Satz (Sonatensatz, Rondo) zu durchbrechen, gleichzeitig aber das Schema abgewandelt beizubehalten.

Eine neue Variante entwickelte sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit der „Sinfonietta“, die als Verkleinerungsform der Symphonie einerseits zu geringeren zeitlichen Ausmaßen tendierte, andererseits von Komponisten insbesondere auch dazu herangezogen wurde, die Abkehr von der Ernsthaftigkeit und Seriosität der großen Schwester auszudrücken, wiewohl im Ergebnis oft gar kein Unterschied offenbar wird. Solche Sinfoniettas schufen u. a. Janáček, Reger, Hindemith und Korngold. Damit aber nicht genug war in späterer Folge vielerorts das Bemühen, die Inhalte einer Symphonie in verknappter Form wiederzugeben, Anlass für neueste Bezeichnungen. Genannt seien nur die Österreicher Paul Kont mit „Sinfonia und Sinfonina“ (1979) oder Kurt Schwertsik, von dem es etwa die „Sinfonia–Sinfonietta“ (1996) und – besonders prägnant – die „Schrumpf-Symphonie“ (1999) gibt.

Werner Steinmetz’ Minisymphonie entstand rund um den Jahreswechsel 2008/09 als zweites neues Werk für den Composer-in-residence-Zyklus des Wiener Concert-Vereins. Im vorliegenden Fall soll der Titel einerseits verdeutlichen, dass wir es mit einer kammerorchestral besetzten Komposition zu tun haben, die dennoch das Spiel mit den zur Symphonie gehörigen „großen Klängen“ sucht.  Zum anderen findet sich hier auch die formale Verknappung auf drei gegenüber den traditionell gewohnten vier Sätzen. Diese laufen freilich nur durch Generalpausen getrennt attacca ineinander über und können so auch den Eindruck eines in drei unterschiedlich gefärbten Teilen ablaufenden einsätzigen Werkes vermitteln. Dementsprechend gibt es keine Satzbezeichnungen, sondern mit Vortragsbezeichnungen versehene Abschnitte: A – getragen, aber nicht zu langsam, B – fröhlich, C – feierlich. Auf einen dezidiert romantisch-aussingenden langsamen Satz wurde verzichtet.

Das Werk ist dem Wiener Concert-Verein in Dankbarkeit für die vorzügliche Zusammenarbeit herzlichst gewidmet.

Christian Heindl