Auftrag der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien

Satzbezeichnungen: fünfteilig, keine Satzbezeichnungen
Dauer: 27 Minuten
Uraufführung: 12. Dezember 2008, Wien - Musikverein, Brahms-Saal (Solovioline: Anton Sorokow, Wiener Concert-Verein, Dirigent: Errol Girdlestone)

Mit dem 2008 komponierten Konzert für Violine und Streicher in fünf Teilen begann die Zusammenarbeit von Werner Steinmetz mit dem Wiener Concert-Verein als Composer in residence der Saison 2008/09. Steinmetz folgte hier wie schon etwa bei seinen Solokonzerten für Saxophonquartett, Violoncello und Flöte sowohl der Anregung durch die Musikerkollegen, als auch in diesem Fall speziell dem offiziellen Auftrag zur Komposition durch die Gesellschaft der Musikfreunde. Wie in vielen seiner Werke treten auch im Violinkonzert typische Merkmale eines Steinmetzschen „Personalstils" zu Tage: eine aus der Tradition entwickelte, behutsam erweiterte tonale Sprache, klare und übersichtliche, dennoch immer wieder mit ungewöhnlichen Lösungen aufwartende Formgebung, virtuose Beherrschung der individuellen Möglichkeiten der Instrumente wie auch der Klanglichkeit im Ensemble bzw. Orchester und nicht zuletzt die durchaus nicht anbiedernde Einbeziehung aus Elementen der sogenannten U-Musik. Da darf es schon einmal swingen oder/und tänzerisch rhythmisiert mitreißen; zudem erzielen auch immer wieder verschiedenste Überraschungseffekte ihre gewünschte und legitime Wirkung. Ganz in diesem Sinn darf man auch die Selbstbeschreibung des Komponisten in Anspielung auf die gleichermaßen schlichte wie prägnante Titelgebung des Werks verstehen: „Ich versuche meinen Erfindungsgeist mehr in die Musik als in die Suche nach originellen Titeln zu legen. ‚Konzert für Violine und Streicher' sagt genug aus."
Das Violinkonzert ist geprägt von spielerisch freien Elementen, pochender Motorik, aber auch immer wieder Gelegenheit zu breitem Aussingen. Es besteht aus fünf satzartigen Abschnitten, die ohne Pause ineinander übergehen und deren Dauer und Verhältnis zueinander durch die Zahlenproportionen des Goldenen Schnittes bestimmt ist. Getreu dem Motto des Komponisten, wonach er „das Herz in der Musik als das Allerwichtigste erachte", kommen jedoch auch musikalisch und emotional bedingte Abweichungen vom strengen Regelkatalog vor. Anders als manches Virtuosenkonzert früherer Jahrhunderte weist das Werk keine spezifisch dem Charakter des Solisten der Ur- und Wiederaufführung Anton Sorokow entsprechenden Eigenheiten auf. Steinmetz „Dies wäre nötig wenn man ein geplant virtuoses, auf den Solisten zugeschneidertes Konzert schreiben möchte. Virtuoses Schauspiel steht nicht auf meiner Speisekarte und Geige spielen kann er sowieso ganz hervorragend."
In das Bild, nicht primär ein virtuoses Schaustück liefern zu wollen, sondern vor allem über die emotionale Ebene und Wirkung der Musik Zugang zum Zuhörer zu finden, fügt sich Steinmetz' Sicht von der Rolle des Komponisten in der heutigen Gesellschaft: „Kunst ist im Allgemeinen für Menschen wichtig. Egal wer der Urheber ist, es ist immer eine Auseinandersetzung mit ‚dem Menschen' - und das ist ja auch jeder einzelne Zuhörer, Betrachter usw. - auf emotionaler Basis. Wenn man im Konzert die Musik von Werner Steinmetz hört, geht es nur kurz und oberflächlich um die Person des Komponisten. Letztendlich geht es darum was dieser Moment im Leben des Zuhörers auslöst. Die einfachste Reaktion - und die ist schon ein Beispiel dafür: Gefällt es oder gefällt es nicht. Bei manchen Menschen kann das bis zu einem inneren Spiegel der eigenen Phantasie führen, der in diesem Moment die eigene Emotionalität beflügelt. Deshalb ist meine Haltung zum Publikum: Wir sind Partner."

Christian Heindl