komponiert im Auftrag des Landes Oberösterreich für die Oberösterreichischen Stiftskonzerte

Satzbezeichnungen: 1. Marsch, 2. Menuett, 3. Walzer, 4. Largo, 5. Allegro furioso, 6. Marsch
Besetzung: Streichorchester
Dauer: 15 Minuten
Uraufführung: 28. Juni 2003 - Stift Kremsmünster (Budapest Strings, Dirigent: Stefan Vladar)

Mit seiner sechsteiligen Serenade für Streicher folgt Werner Steinmetz dem klassischen Vorbild dieser Gattung, das einerseits verschiedenste, meist tänzerische Sätze suitenartig zusammenfasst, zum anderen seit jeher primär unterhaltenden, der Gewichtigkeit und Schwere etwa der Symphonie entgegengesetzten Charakter besitzt. Dementsprechend heiter-gelöst gibt sich das Werk, wobei der Komponist im gewissem Sinn eine „positive Aufarbeitung" seiner Erfahrungen mit klassischen Formen betreibt. So steht für ihn der Infragestellung von jahrhundertealten Mustern folgenden Regeln die Erkenntnis gegenüber, eben darin einen jeweils weitschichtigeren Sinn zu erkennen - am Beispiel der Sonatenhauptsatzform etwa jenen, dem Zuhörer durch das Prinzip der Wiederholung den wichtigen Wiedererkennungsfaktor zu liefern und damit das Verständnis für das Werkganze deutlich zu erhöhen.
Zu Beginn der kaum zwanzigminütigen Satzfolge der Serenade steht ein Marsch, der sich eher leicht-tänzerisch denn allzu martialisch gibt und ein wichtiges gemeinsames Merkmal der gesamten Komposition aufzeigt: einen eröffnenden Oktavsprung als markanten Einstieg in die jeweilige Atmosphäre, die zudem jeweils von einer bestimmten Instrumentengruppe vorgegeben wird, wodurch jeder Satz seine eigene Farbe erhält. Im Marsch zunächst durch die Solovioline, dann an- und abschwellende Akkordfolgen und ein „fast übermütiges" (Steinmetz) Glissandieren der ersten und zweiten Geigen. Im nachfolgenden Menuett wird der Oktavsprung von der Viola gesetzt. Auch wenn hier dem Muster des klassischen höfischen Tanzes gefolgt wird und sich auch die formale Abfolge mit eingebettetem Trio dem fügt, so lässt der zeitweilig eingestreute 2/4-Takt auch die Deutung eines volkstümlichen Zwiefachen zu. In durchaus wienerischer ¾-Takt-Seeligkeit sich liebevoll vor Johann Strauß verneigend, weist auch der Walzer in seinem Trio einen Übergang des Geschehens ins Dualische auf. Als völligen dramatischen Kontrast zum bisher Gehörten unternimmt das Largo einen Versuch sinfonischer Breite und bringt in langem dunklen Bogen einen schwermütigen Ansatz ins Geschehen. Entspannung bringt hierauf das wild-ausgelassene Allegro furioso, in dem sich slawischer Einfluss bemerkbar macht, wobei der häufige Wechsel von Zweier- und Dreier-Metrum insbesondere auf den aus der tschechischen Volksmusik geläufigen „Matenik" hinweist (vom tschechischen Wort „matení" für „Verwirrung" abgeleitet, wird dieser oft auch als „Wahnsinnstanz" oder „verrückter Tanz" bezeichnet). Der abschließende Marsch stellt dann nicht nur hinsichtlich der Form ein Quasi-da-capo dar, er bringt das Geschehen auch instrumental mit der Rückkehr zu den tiefen Tönen der Solovioline und des Kontrabasses in seine Ausgangslage zurück.
Die Serenade entstand in Folge der Zuerkennung des Oberösterreichischen Landeskulturpreises 2002 als Auftragswerk der Oberösterreichischen Stiftskonzerte und wurde am 28. Juni 2003 im Stift Kremsmünster durch die Budapester Streichersolisten unter dem Dirigat von Stefan Vladar aus der Taufe gehoben.

Christian Heindl