komponiert: 2009/10
Satzbezeichnungen: 1. Echos I, 2. Echos II
Dauer: 13 Minuten
Besetzung: 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Hörner, 2 Fagotte; elektronische Zuspielung
Uraufführung: 4. Februar 2010, Linz - ORF-Landesstudio (Oktavian Ensemble)

Echos entstand um den Jahreswechsel 2009/10 für das aus acht Bläsern des Bruckner Orchesters Linz bestehende Ensemble Octavian. Stand zum Zeitpunk des Auftrags bereits der Termin für eine weitere Uraufführung durch das selbe Ensemble am 20. April im Linzer Brucknerhaus fest, so war es für Werner Steinmetz die wesentliche Herausforderung, eine Wiederholung von Ideen zu vermeiden und sich komplett anders zu orientieren. In seiner bisherigen Arbeit schon vielfach mit der Verbindung von Musik und Elektronik konfroniert (als Komponist von Schauspielmusik sowie als Keyboarder von Supercussion Vienna und am Synthesizer bei Musicalproduktionen), kam ihm der Einfall, das instrumentale Oktett mit einem elektronischen Gegenpart zu ergänzen: Für die beiden Sätze Echos I und Echos II ging es Steinmetz um eine möglichst vielgestaltige Verbindung und Gegenüberstellung live vorgetragener Musik und elektronischer Zuspielung.
Echos I beginnt mit dem (auskomponierten!) Einstimmen der Instrumente, in die sich plötzlich - ein Echo mengt! Der momentane Schock des ersten Oboisten löst sich in Heiterkeit, als er entdeckt, selbst Urheber des Effekts zu sein. Der Fagottist versucht es nun ebenso und gerät in geradezu euphorische Stimmung, als auch er das Echo seiner eigenen Töne hört: eine Situation die man eher in einer romantischen Bergszenerie als in der trockenen Akustik eines Konzertsaals erwarten würde. In der Folge entwickelt sich innerhalb einer formal fantasieartigen Anlage ein buntes Spiel aller Instrumente mit ihrem elektronisch zugespielten „Doppelgänger", sodass sich das Oktett bis zum sechzehnstimmigen Satz erweitert. Der besondere Reiz besteht freilich darin, dass das Echo keine konsequente Wiederholung der vom Live-Spiel vorgegebenen melodischen Floskeln und Rhythmen vornimmt, sondern in sich durchaus vielseitige Effekte zeigt: vom Staccatoecho bis zum gelegentlich bloßen Halleffekt oder einem abgehackten Echoansatz. Echos II greift dieselben Elemente auf, gegenüber Echos I findet sich hier aber ein deutlichere Betonung des rhythmisch-tänzerischen Elements.

Christian Heindl