Auftragswerk der Stiftung „Schola Cordis" der Prof. Janusz Skalski-Klinik für Kinderherzchirurgie des Polnisch-Amerikanischen Pädiatrischen Institutes der Jagiellonen-Universität Krakau

komponiert
: 2010
Dauer: 4 Minuten
Besetzung: 1 Flöte, 1 Oboe, 1 Klarinette, 1 Fagott, 1 Horn, 1 Trompete, 1 Posaune, Pauke, Schlagzeug (kl. Tr., Hängebecken, Glockenspiel), Streicher; auch alternative Fassung mit doppelter Bläserbesetzung
Uraufführung: 7. Februar 2010, Krakau - Philharmonie / Konzert im Rahmen der Stiftung „Schola Cordis" Krakau (Werner Steinmetz - Trompete, Wiener Salonisten, Dirigent: Piotr Gladki)
Uraufführung der groß besetzten Fassung: 19. Juni 2010, Wien - Großer Saal der Postsparkasse / Konzert in Zusammenarbeit der BAWAG/PSK und der Stiftung „Schola Cordis" Krakau (Mitglieder des Brucknerorchesters Linz, Dirigent: Werner Steinmetz)


Krakau im Jahr 1241. Die Tataren fallen in die brennende Stadt ein. Zur Warnung der noch verbliebenen Bewohner erklingt mit den morgendlichen Sonnenstrahlen vom Turm der Marienkirche ein feierliches Signal, geblasen von einem mutigen jungen Trompeter, der gemäß seinem Eid eine Hymne zu Ehren der Muttergottes erklingen lässt. Ein tatarischer Pfeil trifft ihn in die Kehle, noch ehe er seinen Ruf vollenden kann. Seit 200 Jahren erklingt diese Melodie, der Hejnał Mariacki - auch Przerwany Hejnał („Abgebrochener Hejnał") genannt - wieder zu jeder vollen Stunde in alle vier Himmelsrichtungen der Stadt und wird dabei im Gedenken an den legendären Trompeter bei jenem Ton abgebrochen, den er als letzten hatte spielen können.
Im Auftrag der Stiftung „Schola Cordis" der Prof. Janusz Skalski-Klinik für Kinderherzchirurgie des Polnisch-Amerikanischen Pädiatrischen Institutes der Jagiellonen-Universität Krakau entstand zu Beginn des Jahres 2010 Der Trompeter von Krakau.
Das Stück beginnt mit einer fast exakten Anlehnung an jenes ruhige, morgendliche Trompetensignal, das als die Melodie des Turmbläsers überliefert ist. Als ob er seine Aufgabe des Wachrüttelns erfüllt habe, bricht nach zehn Takten eine Polka schnell los. Gemäß der Einbettung der Uraufführung in den Kontext eines Johann Strauß-Programms einerseits, dem ernsten Inhalt der Legende andererseits ergibt sich so eine geradezu makabre Mischung, mag das rasante Treiben des Orchesters doch sowohl als fröhlich-unterhaltsam im Sinn der „leichten Muse" gedeutetet werden, als auch programmatisch den Fluchtgedanken beim warnenden Ruf vom Kirchturm spiegeln. Insbesondere im Trio-Mittelteil des Stücks erhält das mit dem Glockenspiel parallel geführte Trompetenthema durch seine Dur-Moll-Färbung auch verhaltene Akzente. Noch einmal setzt der rasante Lauf des Orchesters ein, in den sich bald auch wieder die warnenden Rufe mischen. Schließlich bleibt das einsame Signal mit gehaltenen Tönen stehen und bricht mit einem scharfen Knall der kleinen Trommel abrupt ab.
Nach der Uraufführung erstellte der Komponist für die österreichische Erstaufführung eine größer besetzte Fassung (doppelte Bläser), wobei insbesondere die räumliche Trennung der Trompeten eine zusätzliche Verstärkung der Signalwirkung ermöglicht.

Christian Heindl