Satzbezeichnungen: I. Walking - II. Jogging - III. Running
Dauer: 12 Minuten
Besetzung: 2 Oboen, Bassetthörner, 2 Hörner, 2 Fagotte
Uraufführung: 20. April 2010, Linz - Brucknerhaus (Ensemble Oktavian)

Nach der Uraufführung von Echos am 4. Februar 2010 im Linzer ORF-Landesstudio entstand mit Move zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit ein Werk für das aus acht Bläsern des Bruckner Orchesters Linz bestehende Ensemble Oktavian.
Setzte sich das vorangehende Stück schon in Hinblick auf die Einbindung einer elektronischen Komponente vom rein akustisch-instrumentalen Move ab, so ist das neue Werk auch in vielerlei Hinsicht freier gestaltet. Steinmetz verzichtet darin sowohl auf die seiner Musik oft zugrunde liegende Arbeit mit Zahlenproportionen und seriellen Methoden als auch auf den Bezug zur klassischen Formgestaltung. Move stellt vielmehr ganz seinem Namen gemäß einen nicht zuletzt auch verschiedenste Naturassoziationen zulassenden „Spaziergang" dar, wobei sich sowohl der Übertitel als auch die drei Satzbezeichnungen im Gegensatz zu den in der Musik seit Jahrhunderten überwiegenden italienischen Fachtermini à la Andante, Allegro und Presto heute auch im umgangssprachlichen Gebrauch vertrauterer (englischer) Vokabel bedienen.
Klanglich erhält Move durch den Einsatz des Bassetthorns anstelle der Klarinette (dem Orchestermusiker Werner Steinmetz nicht zuletzt durch die Wirkung des Instruments in den Opern Mozarts ans Herz gewachsen) eine besonders reizvolle Komponente, die etwa durch eine besonders „bissige" Wirkung im Finalsatz zum Ausdruck kommt. Durch die quartenorientierte Harmonik entsteht ein für das gesamte Werk identisches Klangmaterial, das jedoch ganz unterschiedliche Ausformung erfährt, sodass keine unmittelbaren motivischen Bezüge zwischen den Sätzen erkennbar werden.
Walking beginnt als eher gemütlicher Spaziergang mit einem zunächst vorsichtigen „Ertasten des Weges", ehe das Schritttempo ein wenig rascher und bestimmter wird, schließlich jedoch in sich zusammenfällt und einem ruhig fließenden „Ausatmen" Platz macht. Von Anfang an zügig und mit motorischem Begleitschritt verläuft Jogging. Kurzes Innehalten lässt auch hier die Blicke in die Umgebung wandern, doch wird rasch wieder Tempo aufgenommen und dem sportlichen Anspruch Genüge getan. Nach diesem scherzoartigen Intermezzo bildet Running einen weniger sportmedizinisch kontrollierten, aber nicht minder lebhaften Abschluss: Die Bewegung erscheint hier teils bildlich einem ungezwungenen Lauf durch die Natur nachempfunden, stellenweise aber auch gehetzt, als ob vor etwas weggelaufen oder ein bestimmtes Ziel erreicht werden müsste. Der Bogen rundet sich in dem die „Freiheit" des Laufens zu spiegeln scheinenden Motiv des Satzbeginns, mit dem das Werk einen optimistischen Abschluss findet.

Christian Heindl