komponiert: 2011
Dauer: 4 Minuten
Besetzung: 1 Flöte, 1 Oboe, 1 Klarinette, 1 Fagott, 1 Horn, 1 Trompete, 1 Posaune, 1 Tuba, 2 Schlagwerker, Harfe, Klavier, Streicher
Uraufführung: 22. August 2011 - Grafenegg, Auditorium (Tonkünstler-Orchester Niederösterreich, Dirigent: Werner Steinmetz)

In Crazy, Silly, Rag begegnet der Hörer Werner Steinmetz' früher Liebe für jazzinspirierte Musik, wie sie in einer Reihe seiner Werke präsent ist. Konkret ist es in diesem Fall der „Stride Piano"-Stil (auch „Harlem Stride Piano"), wie er vom Ragtime ausgehend um 1920 von James P. Johnson („Father of Stride Piano") und Willie „The Lion" Smith in Harlem geprägt wurde. Später bildete er in seiner Weiterentwicklung bald u. a. ein wesentliches Element der Musik von Thomas „Fats" Waller. Kennzeichnend sind einerseits das improvisatorische Element, andererseits die großen Intervalle in der Begleitung, die vom Pianisten das permanente Greifen von (zumindest) Oktaven und Dezimen verlangt. Durch die Dominanz des Klaviers bei dieser Art des Vortrags treten alle anderen Instrumente weitgehend in eine begleitende Funktion.
Diesem Grundprinzip des „Stride Piano" trägt Steinmetz in Crazy, Silly, Rag nur bedingt Rechnung, da hier die Instrumente durchaus sowohl begleitende als auch hervorgehobene melodische Anteile übernehmen und das Klavier keine Dominanz besitzt. Auffällig ist das Ineinanderfließen der Holzbläserfarben bei der Melodieführung, ohne dass dabei die Instrumente im Einzelnen mit zuordenbaren Floskeln versehen werden. Die Instrumentenfarben überschneiden sich auf diese Weise scheinbar wahllos. Das prägnante Motiv des Beginns wird während des gesamten ersten Teils in vielfältigen neuen instrumentalen Kombinationen präsentiert und gesteigert. Ein kurzer Mittelteil bringt beinahe „stehend" wirkendes melodisches Material, gibt aber Gelegenheit zur Entfaltung von prägnantem Groove. Nach kurzer Generalpause setzt eine Art Reprise des Beginns ein, die jedoch nicht mehr zu den früheren Steigerungen ansetzt, sondern in melodischen Brechungen und schließlich einem unerwartet abrupten Schluss mündet.

Christian Heindl